PROGRAMM 2020

Reinhard Hanke
Zeichenwende
08. März – 05. April 2020, 1. Etage


• In unserer Gesellschaft wird die Realität immer stärker umgesetzt in Raster, Zeichen, vor allem Zahlen. Sogar der Mensch wird ausgespart. Dieser »Realismus« unseres Zahlensystems ergibt in ausgedruckter Form eine nahezu indifferente Masse, Zeichen einer sinnentleerenden Rationalität der Massen- und Informationsgesellschaft. Doch bildet die Breite der menschlichen Erfahrung diese Informationsschwemme nicht ab. Insofern überarbeite ich in einer weiteren Ebene das computergenerierte Ausgangsmaterial mit individuellen Chiffren aus »gestischen« Materialien – Kohle, Graphit, Tempera –, Brechungen durch Plexiglas, ungewöhnlichen Zuordnungen. Die persönliche Auseinandersetzung mit der »künstlerischen« Umformung schafft individuelle Aspekte der Realität. Insofern haben die Werke keine Titel. Der Betrachter ist aufgerufen sich sein eigenes Bild zu machen.

Reinhard Hanke, geb. 1951 in Bad Oeynhausen, 1969 – 1973 Studium der Philosophie, Psychologie und Kunst an der SHfBK und TU Braunschweig, 1973 – 1997 verschiedene Lehrtätigkeiten, seitdem freischaffender Künstler. Umfangreiche Ausstellungstätigkeit in Europa.


Doris Hahlweg, Isabelle Dyckerhoff, Petra Amerell, Claudia Desgranges
COLOR CODES Hildesheim
08. März – 05. April 2020, 2. Etage


• Vier Malerinnen aus München und Köln, die in der Tradition der Farbmalerei stehen, haben trotz der täglichen virtuellen Bilderflut des digitalen Zeitalters mit Farbe und Pinsel auf Leinwand und Aluminium ihre ganz persönliche Handschrift entwickelt. Die Gemälde und Bildobjekte entstehen während des Malprozesses, ohne gegenständlichen Bezug und ganz aus der Farbe heraus. Der Klang ihrer Farben und Formen ergibt ein jeweils unterschiedliches Zusammenspiel. Trotz des gemeinsamen Themas unterscheiden sich die einzelnen Positionen der vier Künstlerinnen stark – ihre Schwerpunkte sind jeweils anders gelagert. Seit Jahren wird auf Biennalen und Messen, in Kunsthallen und Galerien meist themen- bzw. inhaltsbezogene Kunst gezeigt. Petra Amerell, Isabelle Dyckerhoff und Doris Hahlweg aus München sowie Claudia Desgranges aus Köln wollen diesem Trend entgegentreten und setzen auf die Sprengkraft der Malerei an sich. Sie entwickeln und zeigen ungegenständliche Bildwelten, die rein über die Farbe, Form und Struktur sowie mit eigenwilligen Kompositionen ihre Wirkung entfalten.


Stefan Canham, Anthony Canham
Unanswered Questions
19. April – 17. Mai 2020, 1. Etage


• Stefan Canham stellt für diese Ausstellung in der Galerie im Stammelbach-Speicher seine Arbeiten denen seines Vaters gegenüber und befragt sie nach Ähnlichkeiten, Annäherungen, Berührungen: so wie Anthony Canham die grell-bunten Werbeblättchen, die aus der Hildesheimer Zeitung fallen, zu Collagen verarbeitet, werden Restmaterialen in Stefan Canhams Fotografien bewohnter Bauwagen zu anarchischen Interieurs recycelt. Geometrisch bestickte Stoff-Vierecke aus den Bergen Vietnams korrespondieren mit abstrakt-geometrischen Malereien, die an die Grundrisse von Kleingarten-Parzellen angelehnt sind. Inhaltliche Ungleichartigkeiten laufen überraschenden formalen Anklängen entgegen.

Stefan Canham, geb. 1968, Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zahlreiche internationale Ausstellungen und Publikationen. 

Anthony Canham, 1941 – 2019, Studium an den Royal Academy Schools in London. 1988 – 2005 Professor an der Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim.


Eberhard Höfer
Resonanz
19. April – 17. Mai 2020, 2. Etage


• Bereits über 50 Jahre widmet sich Eberhard Höfer (Jahrgang 1949) seiner umfangreichen künstlerischen Arbeit als Maler und Fotograf. Seine langjährige Tätigkeit als Sozialpsychiater und Neurologe muss dabei als durchaus befruchtender Teil seiner künstlerischen Arbeit gesehen werden. Denn im thematischen Zentrum seiner Arbeiten finden sich gleichermaßen individuelle wie soziale und politische Konflikte und Herausforderungen. Darüber hinaus beeindrucken aber auch seine abstrakten Arbeiten, zumeist farbstarke expressive Acrylmalereien, die eher emotionale Gestimmtheiten beschreiben. Bemerkenswert ist, dass Höfer sich bereits sehr früh in den neunziger Jahren intensiv mit den neuen digitalen Möglichkeiten der Kunst auseinandergesetzt hat. Beispielhaft dafür sind etwa seine zahlreichen digitalen Überarbeitungen von Filmstills und Fotos, die er etwa in Form von Kollagen verfremdet und in neue Kontexte setzt. Gerade in dieser Vielfalt von Formen, Techniken und Themen liegt der Reiz von Höfers umfangreichem Oevre. (Christian Lüffe) 

Eberhard Höfer lebt u. arbeitet in Hildesheim.


Rolf Behme
Zurück nach vorn
24. Mai – 21. Juni 2020, 1. Etage


• Ein Blick zurück eröffnet auch neue und andere Sichtweisen auf Wege nach vorn. Rolf Behme zeigt was ihm wirklich wichtig ist. Arbeiten aus dem Bereich der »fotofix- und copy-art« bilden neben Malerei, Druckgrafik und aktuellen Fotoarbeiten einen Schwerpunkt. Zudem werden skulpturale und plastische Arbeiten gezeigt. Die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen, die Beschäftigung mit Phänomenen der Zeit und Dingen, die sich einem schnellen Blick nicht vordergründig offenbaren, prägen die Kunst von Rolf Behme.

Rolf Behme, geb. 1955 Studium der Kunst an der Kunsthochschule Kassel; Kunstpädagoge; Landeskoordinator und Fachberater für das Fach Kunst; Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim; lebt und arbeitet in Hildesheim.


Mass Jobe, Edin Bajric
Zwei Geschichtenerzähler
24. Mai – 21. Juni 2020, 1. und 2. Etage


• Bye Mass Jobe. Griots, die Troubadoure Afrikas, prägten sein Interesse an Kunst, untrennbar verknüpft mit dem Blick auf Geschichte und ihre politischen Auswirkungen, insbesondere der Kolonialzeit. 

Edin Bajrić beteiligt sich seit 2008 an Ausstellungen im In- und Ausland. Teilnahmen an Filmfestivals und Kunstmessen, Veröffentlichungen in Katalogen und Printmedien. 

Die einzelnen Bestandteile von Edin Barjićs und Bye Mass Jobes Installationen verhalten sich wie Buchstaben, werden zu Worten bis hin zu komplexen Erzählsträngen, die in der Ausstellung spannende Parallelen zueinander bilden.

Edin Bajrić wurde 1980 in Bosanska Dubica (Bosnien und Herzegowina) geboren. Er studierte Bildende Kunst an der FH Hannover. 

Bye Mass Jobe geb. 1960 in Banjul, Gambia, seit 1989 in Deutschland.


Arnd Chr. Müller
Soul Matter
05. Juli – 02. August 2020, 1. Etage


• In Arnd Christian Müllers Werk geht es um die Schönheit in der Neuanordnung alltäglicher Objekte. Er überträgt einfache, vertraute Gegenstände in neue Kontexte, und macht auf diese Weise ihre eigentliche Bedeutung sichtbar. Er haucht einem Objekt, wenn es seine Faszination erregt hat, neues Leben als Element eines wichtigeren kollektiven Ganzen ein. Vertraute Gegenstände und einfache Techniken wählend, kreiert er eine augenscheinliche Spannung zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, zwischen Simplizität und Komplexität. Der Betrachter findet leicht eine Verbindung zu einem wohlbekannten Objekt. Die Neuinterpretation ist jedoch oftmals überraschend und lädt dazu ein, die Spannung zwischen einem alten und einem neueren Bewusstsein zu erleben. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Relativität der Werte und dem Wert von Kreativität. Sie ist eine Vergegenwärtigung dessen, wie das Ganze mehr als die Summe seiner einzelnen Teile wird. 

Arnd Christian Müller, geb. 1969, lebt und arbeitet seit 2000 in Peking, China.


Simone Rosenow
Was bleibt
05. Juli – 02. August 2020, 2. Etage


• In Rosenow’s Arbeiten, stehen Mal-, Zeichen-, Schreib- und Nähspuren nebeneinander oder bilden durchscheinende Schichtungen. Es ist ein Ringen um eine spannungsvolle, lebendige Korrespondenz zwischen Punkt, Linie, Fläche und Farbe. Von Rhythmus ist da die Rede, vom »Kritzeln als kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen dem Schreiben, dem Zeichnen und der Musik«, ein Zusammenklang, mitten im Geschehen der Bewegung festgehalten. Neben unberührten Papieren und Leinwänden verwendet sie auch Vorgefundenes. Vergilbte Buchseiten, Stoffe, Schullandkarten mit ihrer jeweiligen Geschichte und Abbildung werden übermalt, treten in den Hintergrund oder erleben durch Aussparung eine Betonung. Traumhafte Erinnerungsfetzen. Es geht ihr nicht darum Gesehenes ablesbar wiederzugeben, eher das Erlebte aus dem tiefen Inneren herauf zu holen, zu notieren wie in ein Tagebuch. Stefan Skowron beschreibt ihre Arbeiten so: »Kraft im Ruhigen, Musikalität in der Stille, Dichte im weiten Raum, Eleganz im schnellen Strich.«

Simone Rosenow, geb. 1966 in Cottbus, freischaffende Künstlerin und Grafik-Designerin, lebt und arbeitet in Vogtsburg im Kaiserstuhl / Südbaden.


Marion Lidolt, Paul Kunofski
Mariage
06. September – 04. Oktober 2020, 1. Etage


• Paul Kunofski und Marion Lidolt kombinieren in dieser Ausstellung traditionelle und experimentelle künstlerische Techniken wie Malerei, Siebdruck, Fotografie und Radierung, sowie computergesteuerte Stick- und Strickarbeiten. Durch die Mariage formal und inhaltlich unterschiedlicher Werke erfahren diese eine Kontextveränderung mit oft überraschend neuen Interpretationsmöglichkeiten.

Paul Kunofski, geb. 1956 in Flensburg; 1991 – 94 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig; seit 1997 Dozent für Künstlerische Druckgrafik an der Fakultät Gestaltung der HAWK. 

Marion Lidolt, geb. 1963 geboren in Hof, 1990 – 94 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste, seit 2002 Professorin für Experimentelles Gestalten und Gestaltungslehre an der Fakultät Gestaltung der HAWK in Hildesheim, seit 2010 verstärkte Auseinandersetzung mit textilen und digitalen Ausdrucksmöglichkeiten.


Gisela Schattenburg
… durch die Zeiten
06. September – 04. Oktober 2020, 2. Etage


• Stetiger Wandel – lautlos und fließen – Poesie der Gegensätze – Spiel der Kräft – konfus dazwischen – aus den Fugen geraten – Kollision – aus dem Gleichgewicht – … 

Diese Seinszustände lassen sich erweitern und in Titeln vielleicht erahnen; sie sind für mich richtungsgebend, mein Interesse gilt den unbekannten Bereichen; ich versuche, meine »inneren Landschaften« abstrahiert zu erzeichnen.

Die Zeichnungen entstehen thematisch vorbestimmt, in Reihen. Ich konzentriere mich ganz auf die Linie und setze die einzelnen Striche, bis diese sich mit der gewünschten Intensität zu Strukturen und Flächen verdichten. Wandel, Auflösungsprozesse, Erneuerung sind als übergeordnete Thematik spürbar. 

In einigen aktuellen Arbeiten werden gezeichnete Partien von dominierenden Linien oder weißen Streifen durchbrochen; sie verweisen auf unterschiedliche Raumebenen und ordnen den Bildraum neu.

Gisela Schattenburg, geb. 1950 in Hannover, Studium an der HfBK Braunschweig, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin.


BBK Jahresausstellung
›ohne Titel‹
11. Oktober – 08. November 2020, 1. und 2. Etage


• … ist als Bezeichnung für ein künstlerisches Werk durchaus geläufig. Wir sehen darin die Intention, dem Betrachter möglichst viel Interpretationsspielraum zu lassen und zugleich den Verweis auf das absolut Subjektive des künstlerischen Prozesses. Je mehr sich das Unbenannte dem Zugriff rascher Einordnung entzieht, desto spannender ist es, sich damit zu beschäftigen. Wir freuen uns also auf eine Ausstellung, die Spekulationen und Kontroversen ebenso Raum bietet, wie der Herstellung von Nähe durch eigene Erkenntnis.